Kann man LDL mit Ernährung beeinflussen?
Ja. Ein Blick auf die aktuelle wissenschaftliche Evidenz.

Zusammenfassung
Ernährung kann den LDL-Spiegel beeinflussen, wenn auch unterschiedlich stark von Mensch zu Mensch. Besonders gut belegt ist der Austausch gesättigter durch ungesättigte Fettsäuren sowie eine insgesamt pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung. Dieser Artikel fasst die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zusammen und ordnet häufige Behauptungen rund um Butter, Margarine, Seed Oils und Cholesterin ein.
Inhaltsverzeichnis:
Kapitel 2: Warum wollen wir einen niedrigen LDL-Spiegel im Blut?
Kapitel 3: Warum kann Ernährung den LDL-Spiegel beeinflussen?
Kapitel 5: Sind Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl wirklich ungesund?
Kapitel 6: Transfette. Margarine von heute ist nicht mehr die Margarine von früher
Die Evidenz hinter diesem Text
Einleitung
Seit ich mich mit Ernährung beschäftige, stoße ich überall im Internet auf folgende Aussagen:
„LDL kann man nicht über Ernährung beeinflussen.“
„Butter wurde zu Unrecht verteufelt.“
„Seed Oils sind giftig.“
„Margarine ist voller Transfette.“
Sogar in manchen fachlichen Weiterbildungen habe ich sie gehört.
Das Problem:
Häufig werden verschiedene Themen miteinander vermischt, alte, nicht mehr relevante Studien zitiert und sogar Verschwörungen angedeutet. Das passiert meist subtil. Wahrscheinlich nur wenn man die Schlüsselworte kennt, fällt einem auf, dass man in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll.
Big Pharma, Schulmedizin, Seed Oils, Qui Bono, hochverarbeitet, ganzheitlich oder natürlich sind die Stichworte, die verwendet werden (Dog Wistles). Wenn ihr das irgendwo lest, seid vorsichtig. Wer mit diesen Begriffen weitersucht, landet schnell tief im Bau des Kaninchens. Besonders perfide ist, dass sich der Algorithmus vieler Social-Media-Plattformen daran anpasst.
Dieser Artikel soll euch deshalb Orientierung geben und im besten Falle verhindern, dass ihr in ein dunkles Rabbit Hole der Falschinformationen fallt. So wie mir das schon passierte.
Pauschale Aussagen, was gut und was schlecht ist, sind nach heutigem Forschungsstand schwer zu treffen. Ich habe hier vieles sehr vereinfacht und ich bin auch kein Professor mit jahrzehntelanger Erfahrung mit Fettstoffwechsel und das Schreiben des Artikels war auch für mich ein Lernprozess. Ich habe mir Mühe gegeben, verständlich zu sein und korrekt zu bleiben.
Dann mal los.
Kapitel 1: Was ist LDL überhaupt?
LDL bedeutet Low Density Lipoportein. LDL ist also nicht das Cholesterin selbst. Stattdessen ist es ein Transportpartikel. Es transportiert vor allem Cholesterin im Blut durch den Körper zu den Zellen.
Cholesterin braucht unser Körper für Zellmembranen, Gallensäure und Steroidhormone. Das hört man ab und zu auch als Argument, warum es wichtig sei Cholesterin über die Nahrung aufzunehmen. Vielleicht kennt ihr das auch aus der DGE-Eier-Debatte.
Der Clou: weil Cholesterin so wichtig ist, können fast alle Zellen Cholesterin selbst herstellen. Es ist also gar nicht nötig, dass wir extra viel zuführen. Dazu später mehr.
Wie viel LDL im Blut unterwegs ist, regelt die Leber. Die Leber bildet VLDL-Partikel. Aus ihnen entstehen im Blut nach und nach LDL-Partikel. Gleichzeitig entfernt die Leber LDL wieder aus dem Blut. So steuert sie, wie viel LDL im Blut unterwegs ist.
Sidenote: HDL (High Density Lipoprotein) ist am Rücktransport von Cholesterin zur Leber beteiligt ist. Der Prozess ist komplexer als die gebräuchliche Kurzformel "HDL bringt Cholesterin zurück zur Leber". Daher kommt aber die Bezeichnung als “gutes Cholesterin”.
So weit so gut.
Kapitel 2: Warum wollen wir einen niedrigen LDL Spiegel im Blut?
Probleme entsteht, wenn zu viele LDL-Partikel über lange Zeit im Blut unterwegs sind.
Je höher die Konzentration und je länger die Exposition, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass LDL-Partikel durch die innere Wand (Intima) der Blutgefäße gelangen und dort zurückgehalten werden.
Dort verändern sie sich chemisch, beispielsweise durch Oxidation. Das löst eine Entzündungsreaktion aus. Immunzellen nehmen die veränderten LDL-Partikel auf, es entstehen Schaumzellen und mit der Zeit entwickelt sich eine atherosklerotische Plaque. Gerne als Arterienverkalkung bezeichnet.
Große genetische Studien, randomisierte Studien mit Medikamenten wie Statinen, Ezetimib und PCSK9-Hemmern sowie Mendelsche Randomisierungsstudien zeigen konsistent: Je niedriger das LDL-Cholesterin, desto geringer ist im Durchschnitt das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Es gibt dabei keinen klaren Schwellenwert, unterhalb dessen der Nutzen plötzlich verschwindet; vielmehr nimmt das Risiko mit sinkendem LDL kontinuierlich ab. Gleichzeitig gilt: Der Nutzen einer starken LDL-Senkung ist bei Menschen mit hohem Ausgangsrisiko deutlich größer als bei gesunden Menschen mit niedrigem Risiko.
Dieser “Verkalkungsprozess” verläuft oft über Jahrzehnte ab. Wir spielen hier also ein Spiel mir der Wahrscheinlichkeit. Deshalb gibt es auch immer Menschen, die ungesund gelebt haben, sehr alt wurden und trotzdem keinen Herzinfarkt hatten. Anekdoten taugen nicht als allgemein gültige Empfehlungen, weshalb auch keine in den Quellen auftaucht.
Kapitel 3: Warum kann Ernährung den LDL-Spiegel beeinflussen?
Wenn fast alle Zellen ihr eigenes Cholesterin herstellen, warum ist dann eigentlich Cholesterin in unserem Blut in LDL-Partikeln unterwegs?
Man kann sich das als schwimmenden Vorrat vorstellen, in dem die Leber die Logistik macht. Der Cholesterinbedarf schwankt ständig und nicht immer reicht die Eigenproduktion der Zellen aus. Der Mehrbedarf wird aus dem Blut gedeckt.
Freies Cholesterin ist wasserunlöslich und kann deshalb nicht im Blut transportiert werden. Deshalb verpackt die Leber Cholesterin zunächst in VLDL-Partikel, aus denen im Blut LDL entsteht.
Zur Steuerung der Menge besitzt die Leber LDL-Rezeptoren. Diese nehmen LDL aus dem Blut auf. Je mehr LDL-Rezeptoren die Leber hat, desto niedriger ist der LDL-Spiegel. Hat die Leber weniger Rezeptoren bleibt LDL länger im Blut und der LDL-Spiegel steigt.
Der tatsächliche Lipidstoffwechsel ist komplexer und hängt auch von der Art des Lebensmittels und dem gesamten Ernährungsmuster ab.
Wie viele Rezeptoren die Leber hat kann sie steuern und folgende Nährstoffe haben einen Einfluss darauf.
Gesättigte Fettsäuren
Beispielsweise Butter, Kokosfett, Palmfett, fettreiche Milchprodukte und fettes Fleisch (auch Wurst) können dazu beitragen, dass die Leber weniger LDL-Rezeptoren bildet. Dadurch wird weniger LDL entfernt und der Spiegel steigt im Blut.
Ungesättigte Fettsäuren
Rapsöl, Olivenöl, Nüsse, Samen fördern dagegen eine stärkere LDL-Clearance und dadurch sinkt das LDL.
Wie stark sich ein konkretes Lebensmittel auf Gesundheit und LDL auswirkt, hängt aber auch von seiner Struktur, Verarbeitung, Zusammensetzung und der gesamten Ernährung ab. Butter, Käse und verarbeitetes Fleisch sind daher trotz ihres Gehalts an gesättigten Fettsäuren nicht automatisch gleich schädlich.
Zwischenfazit
LDL-Partikel transportieren Cholesterin im Blut. Ernährung beeinflusst den LDL-Spiegel kaum über das Cholesterin selbst in Lebensmitteln. Der wichtigste Mechanismus ist die Regulation der LDL-Rezeptoren.
Deshalb können zwei Lebensmittel mit ähnlichem Cholesteringehalt unterschiedliche Auswirkungen auf LDL-Werte haben.
Kapitel 4: Cholesterin aus der Nahrung
Vielleicht hast du schon einmal gehört oder bist deswegen hier gelandet.
“Der Körper produziert sein Cholesterin selbst. Deshalb kann Ernährung den LDL-Spiegel gar nicht beeinflussen.”
Ja, der Körper reguliert seine Cholesterinproduktion
Wenn wir Cholesterin über die Nahrung aufnehmen, reagiert der Körper. Vereinfacht gesagt:
mehr Nahrungscholesterin → weniger körpereigene Cholesterinproduktion
weniger Nahrungscholesterin → mehr körpereigene Cholesterinproduktion
Er verhindert, dass der Cholesterinspiegel allein durch zum Beispiel Eier stark ansteigt.
Eine zeitlang war die wissenschaftliche Meinung, wenn man viel Cholesterin isst (zB Eier), hat man viel davon im Blut. Es stellte sich aber raus: so einfach funktioniert es nicht.
Bei den meisten Menschen verändert ein moderater Eierkonsum den LDL-Spiegel nur wenig.
Es gibt allerdings Menschen, die stärker reagieren (sogenannte ”Hyper-Responder”). Aber das lassen wir hier mal aus.
Butter ist trotzdem problematisch
Butter enthält zwar Cholesterin. Für den LDL-Spiegel ist aber der hohe Anteil gesättigter Fettsäuren wichtig.
Denn diese beeinflussen bekanntermaßen den LDL-Rezeptor der Leber. Dadurch wird weniger LDL aus dem Blut entfernt. Die Zusammensetzung der Fette ist also entscheidend.
Diese Unterscheidung zwischen Cholesteringehalt und Fettzusammensetzung ist wichtig. In Diskussionen werden diese beiden Mechanismen häufig verwechselt.
Folgender Fehlschluss wird propagiert: cholesterinhaltige Eier beeinflussen LDL kaum → also beeinflusst Ernährung LDL generell kaum.
Das stimmt nicht: denn Nahrungscholesterin und die Qualität der aufgenommenen Fettsäuren wirken über unterschiedliche Mechanismen.
Was sagen die Leitlinien zu LDL?
Internationale Leitlinien empfehlen deshalb nicht, Cholesterin in Lebensmitteln möglichst stark zu begrenzen.
Stattdessen legen sie den Schwerpunkt auf:
weniger gesättigte Fettsäuren,
mehr ungesättigte Fettsäuren,
ballaststoffreiche Lebensmittel,
und insgesamt eine pflanzenbetonte Ernährung.
Wenn gesättigte Fettsäuren den LDL-Spiegel beeinflussen können, stellt sich die nächste Frage:
Sind pflanzliche Öle also die "Seed Oils” die bessere Wahl? Oder steckt hinter den Warnungen vor Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl doch mehr?
Kapitel 5: Sind Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl wirklich ungesund?
Heiß diskutiert wird über die “Seed Oils”. Der Begriff “Seed Oils” stammt aus dem englischsprachigen Raum und bezeichnet Pflanzenöle, die aus Samen gewonnen werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Rapsöl
Sonnenblumenöl
Sojaöl
Maiskeimöl
Distelöl
Olivenöl zählt streng genommen nicht dazu, weil es aus der Frucht und nicht aus dem Samen gewonnen wird (und es wird auch von Seed-Oil-Hassern empfohlen;)). Großer Konses zwischen den Lagern: Olivenöl ist gesund 👍.
Folgendes wird über Seed Oils behauptet:
Sie wurden früher nicht hergestellt und dienten später als Schmieröle für Maschinen.
Sie sind hochverarbeitet und deshalb ungesund.
Sie fördern Entzündungen durch Omega-6.
Sie oxidieren im Körper.
Sie verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Doch was sagt die Wissenschaft? Schauen wir uns die Punkte an.
Die ersten beiden Punkte schaue ich hier nicht genauer an. Das führt ins Unendliche. Nur weil Lebensmittel verarbeitet sind, sind sie nicht automatisch ungesund und viele Güter haben mehrere Einsatzgebiete.
Behauptung: Omega-6 fördert Entzündungen
Dahinter steckt folgender Gedanke: aus der enthaltenen Linolsäure stellt der Körper Arachidonsäure her und daraus werden entzündungsfördernde Botenstoffe.
Klingt plausibel aber der menschliche Stoffwechsel ist komplexer.
Ein Teil der Arachidonsäure wird tatsächlich zu entzündungsfördernden Botenstoffen umgebaut. Gleichzeitig entstehen aber auch Stoffe, die Entzündungen begrenzen oder beenden.
Außerdem wird nur ein kleiner Teil der aufgenommenen Linolsäure überhaupt in Arachidonsäure umgewandelt.
Was zeigen Studien?
Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen bisher keine überzeugenden Hinweise, dass eine höhere Aufnahme von Linolsäure chronische Entzündungen bei gesunden Menschen fördert.
Auch Entzündungsmarker wie CRP verändern sich in den meisten Studien nicht in die erwartete Richtung.
Die Behauptung “Omega-6 macht Entzündungen” gilt deshalb derzeit nicht als wissenschaftlich belegt.
Behauptung: Seed Oils erhöhen das Herzinfarktrisiko
Hier ist die Evidenz sogar eher gegenteilig.
Werden gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren ersetzt, sinken LDL-Cholesterin und häufig auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ältere Studien mit Margarine stellten eine höheres Herzinfarkt-Risiko fest. Wie man heute weiß, lag das an den damaligen Härtungsmethoden für die Öle. Dabei entstanden Transfette, die sehr schädlich waren. Heute enthalten Margarinen keine Transfette mehr.
Deshalb empfehlen nahezu alle internationalen Leitlinien genau den Austausch von gesättigten gegen ungesättigte Fette.
Das bedeutet nicht, dass man möglichst viel Pflanzenöl trinken sollte.
Es bedeutet, dass die vorhandene Evidenz Butter oder Kokosfett nicht als herzschützender erscheinen lässt als Raps- oder Sonnenblumenöl.
Behauptung: Seed Oils oxidieren
Diese Aussage ist teilweise richtig.
Die enthaltenen mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind empfindlicher gegenüber Hitze und Sauerstoff als einfach ungesättigte Fettsäuren.
Deshalb sollte man
Öle sachgerecht lagern: dunkel und verschlossen.
Frittieröl nicht zu oft wiederverwenden (auf die Empfehlungen achten),
starkes überhitzten der Fette vermeiden.
Das ist jedoch etwas anderes als die Behauptung, dass normale Mengen Raps- oder Sonnenblumenöl im Alltag grundsätzlich schädlich seien. Man kann sie ohne Bedenken zum Anbraten und Fritieren nutzen. Die Oxidation tritt meist bei höheren Temperaturen über einen längeren Zeitraum auf (wir sprechen hier von Tagen oder Wochen). Gefährlich kann es eher beim Grillen über offener Flamme werden. Wenn das Fett so anfängt zu brennen.
Was sagen die Leitlinien?
Internationale Leitlinien empfehlen überwiegend:
Rapsöl,
Olivenöl,
Nüsse,
und Samen
als bevorzugte Fettquellen.
Nach aktuellem Wissensstand gibt es keine überzeugende Evidenz, dass der übliche Verzehr von Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl chronische Entzündungen verursacht oder das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht.
Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass jedes Pflanzenöl in jeder Menge optimal ist. Für die Praxis spricht die Evidenz am ehesten für Öle mit einem günstigen Fettsäureprofil wie Raps- und Olivenöl sowie für eine insgesamt pflanzenbetonte Ernährung.
"Äh…was war eigentlich mit den Transfetten?"
Kapitel 6: Transfette. Margarine von heute ist nicht mehr die Margarine von früher
Wenn über Margarine gesprochen wird, fällt früher oder später fast immer das Stichwort Transfette.
Tatsächlich hatte dieser Ruf wie wir wissen einen realen und veralteten Hintergrund. Moderne Margarine und Margarine aus den 1980er- und 1990er-Jahren sind nicht dasselbe Produkt.
Was sind Transfette?
Transfettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, deren chemische Struktur verändert ist.
Sie entstehen auf zwei Wegen:
Natürlich in kleinen Mengen bei Wiederkäuern wie Rindern und Schafen. Deshalb kommen sie auch in Butter, Milch und Rindfleisch vor.
Industriell bei der teilweisen Härtung pflanzlicher Öle. Dieses Verfahren wurde früher eingesetzt, um Margarine streichfest und haltbar zu machen.
Für die Gesundheit sind vor allem die industriell hergestellten Transfettsäuren relevant.
Warum gelten Transfette als problematisch?
Bereits vor Jahrzehnten zeigte sich in Studien, dass industrielle Transfettsäuren:
LDL-Cholesterin erhöhen,
HDL-Cholesterin senken,
das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Deshalb wurden sie zu Recht als gesundheitlich ungünstig eingestuft.
Margarine ist heute anders
Die Lebensmittelherstellung hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Neue Verfahren zur Härtung von Fetten wurden entwickelt.
Die Verbannung von Transfetten aus unserer westlichen Ernährung ist auch ein sehr schönes Kapitel wie Wissenschaft, Politik und Industrie zusammenarbeiten können.
Seit 2021 gilt in der Europäischen Union ein gesetzlicher Grenzwert für Transfettsäuren von 2g/100g. Warum nicht 0g? Nun, weil in vielen tierischen Lebensmitteln von Natur aus Transfette enthalten sind.
Durch die neuen Herstellungsverfahren und die Grenzwerte enhalten heute (in der EU) erhältliche Margarinen nur noch sehr geringe Mengen oder praktisch keine Transfettsäuren.
Wer Margarine heute mit den Produkten von vor 30 oder 40 Jahren gleichsetzt, berücksichtigt diese Entwicklung nicht. Das gleiche gilt dementsprechend auch für “Margarine-Studien” aus dieser Zeit.
Sind natürliche Transfette weniger schädlich?
Ja, Butter und auch Fleisch enthalten kleine Mengen Transfettsäuren.
Ob diese gesundheitlich die gleiche Bedeutung haben wie industrielle Transfettsäuren, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Nach aktuellem Kenntnisstand gelten die in üblichen Mengen aufgenommenen natürlichen Transfettsäuren als weniger problematisch. Möglicherweise, weil andere Inhaltsstoffe der Lebensmittel die negativen Wirkungen ausgleichen.
Aber: der geringe Gehalt an Transfettsäuren macht Butter nicht automatisch zu einem herzgesunden Lebensmittel. Für den Einfluss auf das LDL-Cholesterin spielt wie gesagt vor allem ihr hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren eine Rolle.
Randnotiz: Jemandem wegen der (angeblichen) Transfette in Margarine zu raten, lieber Butter aufs Brot zu schmieren, erzielt wahrscheinlich den genau gegenteiligen Effekt. 🙃
Kapitel 7: Was bedeutet das für den Alltag?
Nach all den Studien, Mechanismen und Diskussionen gibt es eine gut Nachricht: für die meisten Menschen ist eine herzgesunde Ernährung weder kompliziert noch von Verboten geprägt.
1. Die Qualität der Fette ist wichtiger als einzelne Lebensmittel
Kein einzelnes Lebensmittel entscheidet über Gesundheit oder Krankheit.
Entscheidend ist vielmehr, welche Fette den größten Teil der Ernährung ausmachen.
Wer überwiegend ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen, Nüssen und Samen aufnimmt und gesättigte Fettsäuren nicht übermäßig konsumiert, folgt den Empfehlungen nahezu aller internationalen Leitlinien.
2. Butter muss nicht komplett vom Speiseplan verschwinden
Butter und gesättigte Fette sind kein Gift.
Sie tragen aber bei regelmäßig hohen Mengen dazu bei, den LDL-Cholesterinspiegel zu erhöhen.
Das bedeutet nicht, dass gelegentliche Butter auf dem Brot oder Käse und Joghurt ganz vermieden werden muss.
Entscheidend sind Menge und Häufigkeit. Die Dosis macht das Gift. Eine individuelle Betrachtung der Ernährung lohnt sich wie immer.
3. Pflanzliche Öle sind eine sinnvolle Standardwahl
Für den täglichen Gebrauch beim Kochen, Braten und Backen eignen sich insbesondere:
Rapsöl
Olivenöl
Sie liefern überwiegend ungesättigte Fettsäuren und sind gut untersucht.
4. Nicht jedes Lebensmittel ist entweder “gesund” oder “ungesund”
Ernährung funktioniert nicht nach Schwarz-Weiß-Kategorien.
Ein einzelnes Lebensmittel macht eine insgesamt ausgewogene Ernährung weder gesund noch ungesund. Auch Butter kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein.
Entscheidend ist das Ernährungsmuster über Wochen, Monate und Jahre. Anders ausgedrückt: es sind die Routinen, nicht die Diäten.
5. Menschen mit erhöhtem LDL sollten besonders auf die Fettqualität achten
Bei bereits erhöhtem LDL-Cholesterin oder einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko gewinnt die Fettqualität an Bedeutung.
Hier kann der Austausch eines Teils der gesättigten Fettsäuren gegen ungesättigte Fettsäuren einen messbaren Beitrag zur LDL-Senkung leisten.
Je nach Ausgangssituation können zusätzlich ballaststoffreiche Lebensmittel, Gewichtsreduktion und Medikamente sinnvoll sein.
Fazit
Es gibt keine überzeugende Evidenz, dass moderne Pflanzenöle wie Raps- oder Sonnenblumenöl im Rahmen einer üblichen Ernährung grundsätzlich gesundheitsschädlich sind.
Wie immer lautet die Frage nicht Butter oder Margarine, pflanzlich oder tierisch sondern wie sieht die Ernährung über einen langen Zeitraum aus?
Wer reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und pflanzliche Öle in den Alltag integriert, sowie große Mengen gesättigter Fettsäuren eher die Ausnahme bleiben lässt, bewegt sich im Einklang mit der derzeitigen wissenschaftlichen Evidenz.
Ernährung ist selten eine Frage einzelner Lebensmittel. Sie ist vielmehr die Summe vieler kleiner Entscheidungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte auf unsere Gesundheit auswirken.
Wenn ihr konkrete Fragen habt, meldet euch gerne. Jeder ist anders und wie man die eigene Ernährung anpassen kann, ist immer individuell.
Die Evidenz hinter diesem Text
Ernährungswissenschaft lebt davon, neue Erkenntnisse kritisch zu prüfen. Allgemeine Empfehlungen beruhen deshalb nicht auf einzelnen Studien oder Meinungen in sozialen Medien, sondern auf der Gesamtheit der verfügbaren Evidenz. Genau deshalb können sich Empfehlungen im Laufe der Zeit aber auch verändern. Einzelne Erfahrungsberichte sind interessant aber keine Grundlage für allgemein gültige Empfehlungen.
Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig aber sie spiegelt aus meiner Sicht den (jetzigen) Stand der Wissenschaft wieder. Ich habe sie von KI formatieren lassen.
Leitlinien
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https://academic.oup.com/eurheartj/article/42/34/3227/6358713
WHO Guideline – Saturated Fatty Acid and Trans-Fatty Acid Intake (2023)
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https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIR.0000000000001031
NICE Guideline – Cardiovascular disease: risk assessment and reduction, including lipid modification
National Institute for Health and Care Excellence (NICE).
https://www.nice.org.uk/guidance/ng238
DGE – Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).
https://www.dge.de/wissenschaft/dge-leitlinien/leitlinie-fett/
Systematische Reviews und Metaanalysen
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Weiteres Material für gut Ratschläge
EFSA – Dietary Reference Values for Fats
European Food Safety Authority.
https://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/1461
European Society of Cardiology Guidelines
https://www.escardio.org/Guidelines


