Süßigkeiten sind für alle da
Über Schokolade, ungefragte Ratschläge und neue Rezepte auf meiner Website
Ein neuer Versuch regelmäßiger Artikel zu schreiben.
Consistency is key.
Ich wollte eigentlich regelmäßig neue Newsletter schreiben. Das hat nicht so funktioniert wie gedacht. Mein erster Gedanke war schnell: “Dann lasse ich es eben ganz.” Das begegnet mir auch häufig in der Ernährungsberatung.
Dabei bedeutet “Consistency is key” etwas anderes: Komm wieder zurück, mach einfach weiter. Schlimmer als etwas einmal nicht zu tun, ist es dann es zweimal nicht zu tun.
Also in diesem Sinne bin ich erst mal wieder zurück mit einem Newsletter-Artikel und was mich die Wochen so beschäftigt hat.
Zuerst:
Zugegeben, das Ziel ein Rezept am Tag zu schaffen war hoch. Natürlich musste das schiefgehen. Aber ich habe mich rangehalten und so viele wie möglich geschrieben. Ich denke sie sind pragmatisch einfach und alltagstauglich. Die Fotos sind davon keine Ausnahme und mit dem Handy gemacht. 😉
Schaut gerne mal vorbei. Ein paar neue Rezepte gibt es auf jeden Fall.
Alle Rezepte unter: https://beewell-ernaehrungsberatung.de/rezepte/
Schokolade ist für alle da

Was mir immer mehr auffällt ist, wie Essen in Kategorien gepackt wird. Gesund ungesund. Süßigkeit versus “richtiges Essen”, Verarbeitetes vs Unverarbeitetes, natürlich vs unnatürlich.
Oft implizieren die Begriffe eine moralische Einordnung. Wenn es natürliches essen gibt dann gibt es logischerweise auch unnatürliches Essen. Das ist dann auch für den Konsumenten wertend.
“Die haben immer verarbeitets und ungesundes in der Vesperbox.”
Oft bezieht man diese Einteilung auch auf das eigene Essverhalten: “Ich weiß Schokolade ist ungesund aber ich habe mir die gegönnt. Ich habe mir das heute verdient.”
Dabei ist jedes Lebensmittel erst mal ein Lebensmittel. Nicht mehr und nicht weniger. Und man muss es sich nicht verdienen.
Jedes Lebensmittel kann Teil einer Ernährung sein.
Schwarz-weiß-Denken macht Lebensmittel zu etwas, das sie nicht sind. Schokolade ist eine Sünde. Man kann sie essen aber Obacht, sie kann süchtig machen. Schokolade ist nicht für jeden geeignet. Man braucht schon Disziplin, damit man nicht zu viel isst.
Damit strahlt sie als verbotene Frucht eine große Anziehung aus. Ihr Verzehr muss gerechtfertigt werden. “Ab und zu gönne ich mir Schokolade. Aber dann nur ein Ripple.”
Oft ist sie so verführerisch, dass man sie gar nicht im Haus haben darf, sonst würde man die ganze Tafel essen.
Ich will mich nicht über Sorgen lustig machen und sie klein Reden. Das sind alltägliche Sorgen die viele meiner Patientinnen haben. In extremer Form sieht man solches Verhalten beim Binch eating.
Diese selbstauferlegte Restriktion führt dann dazu, dass man Verzichtshunger bekommt und dann isst ohne Kontrolle, ohne auf Hunger und Sättigung zu achten.
Auch ein Blick in die Literatur verrät, dass ständiger Verzicht Heißhunger hervorrufen kann oder verstärkt. Oft stelle ich fest, dass der abendliche Heißhunger dann kommt, wenn der Tag stressig war und die Zeit fürs Essen nicht gereicht hat. Wenn Hunger nicht gestillt wurde, unterdrückt oder nicht wahrgenommen wurde.
Die Praxis zeigt häufig, dass Snacken vor Heißhunger und Binge Eating schützen kann. Nun ist Binge Eating eine Krankheit und nicht jeder, der abends Heißhunger hat, ist daran erkrankt. Aber es zeigt uns, wir sollten weniger perfekt sein und mehr Gelassenheit an den Tag legen. Und vor allem essen, wenn wir Hunger haben auch wenn es ein Snack ist.
Schoki ist für alle da. Sie darf Teil jeder Ernährung sein.
Das wir durch Süßigkeiten ungesund werden, hängt in der Regel vom Überkonsum ab und der liegt nicht an Disziplinmangel sondern an anderen sozialen Umständen wie Erziehung, Stress, psychische Probleme, Diätkultur, Körperbildern, gesellschaftliche Normen, Einkommen, Bildung.
Viele Lebensmittel sind absichtlich so entwickelt, dass wir ihnen schlecht widerstehen können, weil wir eine angeborene Vorliebe für süßes, salziges und fettiges haben. Die richtige Kombination der drei Eigenschaften macht Lebensmittel unwiderstehlich.
Das ist dann auch die Perfekte Überleitung zum nächsten Thema.
Ungefragte Ratschläge

Neulich habe ich folgendes erzählt bekommen: Apotheker rät beim Abholen von verschriebenen Statinen (Medikament wegen hohem LDL-Cholesterinwert) dazu, keine Kohlenhydrate zu essen.
Ich finde den Ratschlag problematisch. Er ist übergriffig, wissenschaftlich falsch und außerhalb seiner Expertise. Das reiht sich in den ärztlichen Rat ein: “Machen sie doch einfach Sport. Ich habe mir ein Rudergerät gekauft.”
Mal davon abgesehen, dass ungefragte Ratschläge in der Regel zu Renitenz führen, finde ich das einfach unverschämt und gefährlich.
Ich erinnere mich an einen Fall, wo jemand beim Treppengehen Schwächeanfälle bekam, weil die Energie fehlte. Auch hier war der Grund gut gemeinte, fachlich problematische Ratschläge. Am Ende saß die Person bei mir und weinte, weil sie nicht mehr wusste, was und wem sie glauben sollte.
Ich habe mir abgewöhnt, ungefragt Ratschläge zu erteilen. Sie führen zu nichts und sind manchmal gefährlich. Insbesondere dann, wenn der Person, die ratschlägt vertraut wird, weil sie ein besonderes Amt inne hat: Apotheke*innen, Ärzt*innen, Ernährungsfachkräfte. Gerne dienen sie eh nur dazu die eigene Überlegenheit klar zu machen.
Das Leben und Verhalten anderer geht mich erst mal nichts an. Ungefragte Ratschläge haben keine Wirkung. Ich kenne den Menschen und seine Lebensweise nicht, dem ich gerade einen Ratschlag gebe. Und schon gar nicht mische ich mich in ein Feld ein, auf dem ich keine Expertise habe. Ich darf keine Medikamente verschreiben oder verkaufen. Dann gebe ich auch nicht meinen Senf dazu. Stellt euch mal vor ich würde einem Arzt sagen, was er verschreiben soll oder einem Apotheker bei er Auswahl der Medikamente helfen. (Mir fällt gerade auf, dass ich gar nicht genau weiß, was eine Apothekerin macht.)
Zum Abschluss dann ein Ratschlag von mir (wer bis hierhin gelesen hat, für den ist er vielleicht nicht ungefragt):
Hört auf Hunger und Sättigung (Snacken erlaubt).
Und wenn gestern nicht so lief wie geplant, dann macht morgen einfach weiter.
Essen nicht kommentieren … außer wenn es lecker ist.
Weiterlesen:
Katja Kröller – Ernährungspsychologie


